Margarethe Hildegard Pöhlmann verheiratete Pötzsch
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Geboren wurde meine Mutter Margarethe am Sonntag, den 15. Juni 1902 Nachmittag 6 Uhr in der Wohnung ihrer Eltern in der Bismarckstraße 24 in Plauen (Sächsisches Vogtland). Sie war die 3. Tochter des Stickmaschinenbesitzers Karl Gustav Pöhlmann (Ordnungszahl 10) und dessen Ehefrau Anna Luise (Louise) geborene Gräbner (Ordnungszahl 11). Am 21. Juni 1902 wurde sie in der evangelisch-lutherischen Hauptkirche St. Johannis in Plauen getauft. Nicht erkennbar ist, ob ihre 3 Taufpaten aus dem Kreise der Familie stammten.
Die Taufpaten waren die Hausfrau Anna Bachmann, der Bäckermeister Hermann Knüpfer und der Stickmaschinenbesitzer Robert Spitzner. Sie alle wohnten in Plauen.
Ihre Vornamen erhielt sie erst bei der Taufe. In der Geburtsanzeige beim Standesamt Plauen wurde zunächst vermerkt, »daß das Kind einen Vornamen noch nicht erhalten habe«.
Nach dem Taufregistereintrag war meine Mutter das 5. Kind in der Familie. Ihre Geschwister waren:
--- Fritz; über ihn ist mir nichts näheres bekannt. Er wohnte in Leipzig.
--- Irma Else, geboren 1905; sie war meine Taufpatin. Im Jahre 1940 verstarb sie.
--- Johanna Hildegard, 3. eheliches Kind, 2. Tochter der Familie. Sie ist 1900 in Plauen geboren und in der dortigen Matthaeuskirche getauft worden. Sie verstarb 1981.
--- Über einen weiteren Bruder haben sich bisher keine Hinweise finden lassen. Zum Zeitpunkt des Todes des Vaters im Jahre 1906 wird er nicht mehr gelebt haben.
Meine Mutter war noch nicht einmal 4 Jahre alt, als ihr Vater Karl Gustav Pöhlmann am 7. Mai 1906 in Plauen an einer Lungenentzündung verstarb.
Mit nahezu neun Jahren verlor sie auch ihre Mutter. Anna Luise geborene Gräbner verstarb am 19. Februar 1911 in Plauen. Mir ist nicht bekannt, wo und bei wem meine Mutter Margarethe aufgewachsen ist. Auf die Vormundschafts- und Erbschaftsakten kann nicht mehr zurückgegriffen werden 1.
Über die Zeit ihrer Schulausbildung ist mir nichts bekannt.
Die Konfirmation fand am Sonntag, den 16. April 1916 (Palmarum) in der evangelisch-lutherischen Christusgemeinde zu Plauen statt 2. Ihr Konfirmationsspruch war Math. 10, 32.
Die berufliche Tätigkeit meiner Mutter ist bis zum Sommer des Jahres 1923 nicht belegt. Am 17. Juli 1923, mitten in der Zeit der Hoch-Inflation, war sie als Zimmermädchen in Bad Elster im sächsischen Vogtland beschäftigt. An diesem Tage ist ihr dort für eine Verwaltungsgebühr von 2.000 Mark ein Reisepaß für Schweden ausgestellt worden (vgl. Reisepaß). Die Staatsangehörigkeit war die des jeweiligen Bundesstaates, somit Sachsen.
Am 6. September 1923 verließ meine Mutter über den Fährhafen Saßnitz das Deutsche Reich. Sie arbeitete bis zum 30. September 1925 bei einer Familie in Göteborg als Alleinmädchen 3.Am 1. Oktober 1925 reiste sie wieder über den Hafen Trelleborg zurück nach Deutschland. Sie fuhr zunächst in ihre Geburtsstadt Plauen i.V. Hier fand sie eine Anstellung als Haushaltshilfe, als »Stütze«. So war ihre Berufsbezeichnung, als sie die Patenschaft über eine Nichte übernahm, die am 25. Oktober 1925 getauft worden ist.
Nach Berichten von Verwandten arbeitete meine Mutter, wieder in Deutschland angekommen, im Hotelwesen als Zimmermädchen; so u.a. im hessischen Bad Nauheim.
Einer Postkarte an Gustav Purath in Berlin vom 01. 06. 1927 zufolge kannte sie damals bereits ihren späteren Ehemann. Sie übermittelte auf der Karte Grüße.
Am 18. Januar 1930 heiratete meine Mutter im Alter von 27 Jahren in Glauchau/Sachsen den damaligen Klempnergesellen Max Otto Pötzsch (Ordnungszahl 4), noch nicht 34 Jahre alt. Er war in Kirchhain/Niederlausitz (jetzt Doberlug-Kirchhain) im Jahre 1896 geboren worden. Trauzeuge war auch ein Verwandter meiner Mutter, der Privatmann Christian William Mocker. Die Familie Mocker stieß zur Familie Pöhlmann durch die Heirat von Johann Phillipp Gräbner (Ordnungszahl 22) und Johanna Christiana Mocker (Ordnungszahl 23).
Die kirchliche Trauung fand am Tage der Eheschließung, am 18. Januar 1930, in der evangelischen Lutherkirche zu Glauchau statt. Der Trauspruch des Paares war Psalm 121.
Am 27. August 1930 wurde meine Schwester geboren, die die Namen Marie Luise Christa erhielt. Christa ist am 4. Februar 1931 in der evangelischen Lutherkirche zu Glauchau getauft worden 4. Verstorben ist die in der Nacht vom 23. zum 24. 09. 1968 in Oberhausen/Rhl.
Als 2. eheliches Kind wurde ich 1935 im städtischen Krankenhaus Glauchau geboren (Ordnungszahl 2). Ich erhielt die Namen Otto Ernst.
Noch nicht 33 Jahre alt, verstarb meine Mutter Margarethe am 27. April 1935 an den Folgen meiner Geburt. Sie wurde am 30. April 1935 auf dem städtischen Friedhof in Glauchau beerdigt.
Ihre tatsächliche Todesursache ist nicht mehr zu klären. Das Standesamt in Glauchau hat hierüber keine Informationen. Auch das Kreiskrankenhaus Rudolf Virchow in Glauchau erklärte mir am 7. September 1998 telefonisch, daß die Krankenblätter nach einer Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren vernichtet worden sind. Lediglich im Begräbnisbuch der Lutherkirche in Glauchau ist ein Hinweis zu finden. Hiernach verstarb meine Mutter an einer Geburtsblutung, verbunden mit einer akuten Herzschwäche.
Über die Ursachen der Geburtsblutung können nur Vermutungen angestellt werden. In einem medizinischen Lehrbuch aus dem Jahre 1955 5 wird u.a. zwischen Blutungen infolge innerer oder äußerer Traumata und Nachgeburtsblutungen unterschieden:
»Die vorzeitige Lösung der richtig sitzenden Plazenta kommt bei Schwangerschaftstoxikosen durch innere oder äußere Traumen (von seiten des strampelnden Kindes durch zu kurze Nabelschnur, von Seiten der Mutter durch Stoß oder Fall) und durch Herz- und Nierenerkrankungen zustande.
Entweder lösen sich Teile der Nachgeburt oder die ganze Plazenta. Entsprechend groß ist der Blutverlust . . .
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Die Nachgeburtsblutungen sind besonders gefürchtet. Bei ihrer Bekämpfung muß schnell, aber sicher und überlegt gehandelt werden.«
Nach dem Wissensstand einer Verwandten soll zu schweres Heben während des Waschtages für die Geburtsblutung ursächlich gewesen sein. Tatsächlich war das Wäschewaschen im Hause Waldenburger Straße 7 (bzw. später 13) mit sehr viel Kraftaufwand verbunden. Das Waschhaus lag im wesentlichen unterhalb der Kanalisation, so daß jeder Eimer Schmutzwasser in ein über Kopfhöhe gelegenes Abflußbecken geleert werden mußte.
Otto
Pötzsch - 21. 12. 2001